Bio-Kommunikation: Monolog oder Dialog?

Pathokommunikation als grundlegendes biowissenschaftliches Konzept

 

Communication is key: Dass Kommunikation – als Informationsaustausch von Individuen, reduzierbar selbst auf Organellen bis hinein in einzelne Zellen - von elementarer Bedeutung ist, ja einen Schlüssel zum (Über-)Leben darstellt, darüber besteht weithin Konsens.

Ungeklärt ist jedoch, in welcher Form auf biomolekularer Ebene Informationen gesteuert werden, ob Bio-Kommunikation sogar in Analogie zur sprachlichen Kommunikation vollzogen wird? Anders ausgedrückt: Stellt Kommunikation in der Signalweiterleitung - etwa im Zuge interzellulären Informationsaustauschs - einen Dialog dar oder liegen der Informationsweiterleitung ausschließlich lineare, „monologe“ (physiko-chemische) Wechselwirkungen zugrunde?

Gegenwärtig wird in den Biowissenschaften die intra- und interzelluläre Kommunikation primär über den von Norbert Wiener definierten Ansatz der technischen Regelkreise (Bio-Kybernetik) beschrieben, bei dem die Kommunikation als Kunst des Steuerns bezeichnet und analysiert wird als Kontrolle und Regelung von lebenden Organismen. Interessanterweise wird bei einer Vielzahl von Erkrankungen die Zelle oder der Organismus durch Blockierung von Kommunikation in ein vermeintliches Gleichgewicht rückgeführt. Somit gilt die Pathokommunikation in Form von Rezeptorblockern und Inhibitoren in der Biomedizin als modus operandi, um ausgeuferte Regelkreise rückzuführen und es wird nicht primär eine Homöostase (ausgeglichene Kommunikation) angestrebt.

Die Veranstaltung soll die Frage erörtern: Ist Pathokommunikation als grundlegendes biowissenschaftliches Konzept zur Steuerung und Regelung von Zellen und Individuen ausreichend um einen Regelkreis zu stabilisieren und somit (Über-)Leben zu gewährleisten? Oder bedarf es darüber hinaus eines Ansatzes, der Bio-Kommunikation als sprachanaloge Interaktion begreift?

Inwiefern könnte in diesem Fall die Kommunikationswissenschaft einen Beitrag leisten, um biowissenschaftliche Forschung im fächerübergreifenden Dialog befruchtend voranzutreiben?

In welcher Hinsicht sind umgekehrt die Biowissenschaften durch ihre aktuellen Daten und Deutungen in der Lage, der Kommunikationswissenschaft Erkenntnisse bereitzustellen, das fächerübergreifende Schlüssel-Phänomen Kommunikation auf Humanebene besser zu verstehen?