Was ist Abklärung? - Die Rückkehr zum Prinzipiellen

In Zeiten der globalen Entgrenzung erlebt man, was es bedeuten kann, wenn Handlungen und Entwicklungen über den gesamten Globus hinweg strukturlos werden. Das wohl augenscheinlichste Beispiel ist zurzeit der Neoliberalismus: Er bedeutet zügellose Freiheit, die sich auf der Basis der totalen Entgrenzung manifestiert. Eine ökonomischeVernunft, die auf solche Weise strukturlos wird, erzeugt Armut, Krieg, Massenflucht und Hoffnungslosigkeit. Die derzeitige Finanzkrise lässt uns erkennen, wohin zügellose Aufklärung führt. Sie gerät zum Endspiel und zur Endzeit. Dem steht die Einsicht entgegen, dass Grenzsetzungen in Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft und Technik, sofern sie vernünftig konzipiert und praktikabel vollzogen werden, Akte der schöpferischen Vernunft sind. Die Rückkehr zum Prinzipiellen und den Mut zur Grenzsetzung nenne ich Abklärung.

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Ware Mensch

Hauptthema des Schwerpunktes „Bioethik“ auf „abklärung.online“ sind in nächster Zeit die Reproduktionsmedizin und die bio- und medizinwissenschaftlichen Disziplinen in ihrem Umfeld. Mag. Oliver Schlachter und ich planen eine kritische Studie mit Titel „WARE MENSCH – DIE VERMARKTUNG DER MENSCHLICHEN FORTPFLANZUNG“. Sie soll im Rahmen des bioethischen Leitbildes von „abklärung.online“ erstellt werden und ein kritisches Bild der gegenwärtigen Situation in diesem boomenden medizinwissenschaftlichen Bereich zeichnen.

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Schöne Neue Welt – Ware Mensch: Die Vermarktung der menschlichen Fortpflanzung. IVF und Designerbabys – Bioethische Traktate: Ethik als Prinzipienwissen

Ethik im Verständnis meines Bioethikbuches ist jene Haltung, die sich mit lebendigen Systemen im Sinne der Schöpferischen Vernunft auseinandersetzt und die uns deutlich werden lässt, dass die Vernunft eigentlich die Fähigkeit des Menschen ist, komplexe Sachverhalte innerhalb festgefügter Grenzen zu erkennen und auch mit diesen Grenzen angemessen umzugehen. Solche zeitgeistige Praktiken wie IVF (mit der neuen Eugenik) und Baby-Design (mit der dazugehörenden Genomania und dem neuen Gen-Rassismus) widersprechen diesem Postulat der schöpferischen Vernunft. Kurz: Unseren bio- und medizinwissenschaftlichen Einsichten in die Entwicklungsprozesse des Menschen sind prinzipiell natürliche Grenzen gesetzt. Wir sind verpflichtet, sie zu erkennen, sie zu respektieren und nach ihnen zu handeln. Ethik als Abklärung sieht sich daher einem objektiven Ethos verpflichtet: Man setzt sich mit der Frage auseinander, wie man Verantwortung in komplexen Systemen übernehmen kann, indem man sich an den Systemen selbst orientiert und nicht an den Vorstellungen und konsumistischen Wünschen, die wir mit diesen Systemen verbinden.

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Das Prinzip Schöpfung – Ein Leitbild

In meinem „Schöpfungsbuch“ wird der wissenschaftskritische Gedanke entwickelt, dass man die Schöpfung und ihr Prinzip allein auf naturalistischem Niveau nicht verstehen kann. Sie ist nämlich ein Mysterium. Ein wichtiges Ziel ist es, eine Schöpfungslehre bzw. –theorie vorzulegen, die der Form nach dem biblischen Leitbild der Schöpfung (Genesis, Weisheitsliteratur) entspricht und die als Kommunikationsbasis mit der physikalischen Kosmologie und der Evolutionsbiologie fungieren kann. Diese Denkweise wird mit dem personalistischen Ansatz (Ferdinand Ebners und Martin Bubers) verknüpft. Mein Ansatz: Man kann die Schöpfungsberichte und die Weisheitsliteratur der Form, aber nicht dem Inhalt nach wörtlich nehmen. Das von mir entwickelte Leitbild der Schöpfung ist dann jene prinzipielle Form, unter der die biblischen Texte auch in den modernen Naturwissenschaften, d.h. in deren Inhalten, transparent gemacht werden können.

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Biohermeneutik und Biokommunikation – Die modernen Bio- und Medizinwissenschaften – Monolog über die oder Dialog mit der Natur?

Geht man davon aus, dass man die Natur nur dann erforschen kann, wenn man mit ihr „spricht“ (Ilya Prigogine) und nicht allein in abgehobenen Fachsprachen über sie spricht, dann bedeutet dies, dass alle Bio- und Medizinwissenschaften einen hermeneutischen Hintergrund besitzen. Unser Verständnis der Natur ist, salopp gesagt, die Grammatik, wie wir über die natürlichen Phänomene sprechen. Erklärung setzt Verstehen voraus. Die Erforschung des Lebendigen beruht dann auf einer Sprache des Lebens. Außerdem zeigt sich das Leben selbst als Sprache, die wir lernen und verstehen müssen. Als verantwortunsgbewusste Biowissenschaftler stehen wir daher immer zwischen Biokommunikation und Biohermeneutik.

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